Es war einmal, vor fast 20 Jahren, ein unbekannter Künstler,
er kam nach Bayern und machte sein erstes großes Kunstwerk, ...groß, auf jedenfalls von Format: 1,50m auf 1,20m, ...in Acryl, ...so Flüssig - Acryl, ...das Motiv: ein Spiegelei !, ...das Gelbe vom Ei und das Weiße darum füllte fast die ganze Fläche, am Rand vielleicht eine schwarze Pfanne, mei, war das Bild schön. Er dachte, er hat eine gute Strähne und machte gleich ein Zweites dazu, ...ein Stück Speck, auch auf die ganze Fläche, ...aber es ist ihm total missgelungen, es war schrecklich und hässlich. Das Stück Speck war nicht zu erkennen. In der Mitte - waren so dubiose Fettstreifen, unten - so dunkelrotspeck, ...am Rand - das brutzelte vielleicht im Öl ?, ...nee, aber das Spiegelei, das war in Butter, es strahlte wie eine Sonne. Das könnte Kunst sein, hat er gedacht, ...das wäre was für die Große Jahresausstellung, die Schwäbische, aber er war ja kein Künstler und dazu noch unbekannt und damals schon unstudiert, ...sie wissen - die Jury, sie ist streng, das wird nicht klappen...
Seine Frau sagte: "Du willst ein Künstler sein - ja probier´s denn!". "o.K. - probieren wir´s", antwortete er, ..."aber damit es klappt, werde ich beide Bilder einreichen, das Spiegelei und das Stück Speck - und wenn dann die Jury beim Auswählen ist und das Schöne und das Biest nebeneinander stehen, ...die Jury, ...die wird vom Kontrast das Schöne somit sicher noch viel besser sehen und es auswählen".
Nach 2 Wochen wurde es ihm schriftlich mitgeteilt, ...da wurde er ganz ungeduldig ...der Brief ist da - er öffnete und geschafft! - Er ist jetzt ein Künstler - ein Bild wurde ausgewählt - das Stück Speck! ...er wollte es zuerst nicht glauben aber unten stand: das Bild, dieses Spiegelei können sie wieder abholen, ...er wollte gleich beide abholen!
Seine Frau sagte: "Du bist jetzt ein Künstler - ja hol´s denn ab!". "o.K.!", holen wir´s ab", sagte er. Er parkte nicht weit der Ausstellungsräume, neben einem Café. Hier konnten Künstler ihre Bilder aufhängen. Er sah den Wirt und der Wirt sein Spiegelei. "Wow!, ist das ein tolles Bild, das hängen wir sofort auf." Der Mann wusste was Kunst ist oder vielleicht wollte er nur mehr Frühstück verkaufen, egal, das passte dem Künstler sehr gut. Das Stück Speck - das Biest, das war auf der Ausstellung, auf der "Schwäbischen" und wer geht da schon hin?, dachte er. Und das Ei, das Schöne, hängte prächtig, inmitten der Stadt, mitten im Café, dort wo´s jeder, Tag und Nacht sehen konnte.
Da war ein Münchner, sogar aus München und dazu noch Rechtsanwalt, ...er war in Augsburg, im Gericht und so - er war auch auf der Ausstellung, wahrscheinlich müde und gelangweilt, er ging in das Café, ...hat das Spiegelei gesehen, ...mit dem Künstler Kontakt aufgenommen, ...er wollte das Ei unbedingt kaufen! "Ich verkaufe nicht", antwortete der Künstler," für das gibt es die berühmte Ausstellung, die "Schwäbische" dort gibt es sogar ein Stück "Speck". Der Münchner hatte es nicht gesehen, ...oder nicht erkannt!...
Seine Frau sagte: "Du bist jetzt ein richtiger Künstler - ja verkaufe denn!"
...sie haben's verstanden - was Frau sagt, wird immer gemacht, ...er verkaufte, 2300 Mark, ...eine Kanzlei. Er brachte sogar das Bild persönlich nach München, ...schauen wo es hängt, , ...wie viel Leute es sehen, ...10 bis 20 Leute pro Tag, hochgerechnet in 20 Jahren - 100 000 Leute! ...ja, ein bisschen weniger, o.K. ...immerhin, ...das Stück Speck das dümpelt seither schon 20 Jahre in seinem Keller und niemand hat es je wieder angeschaut...

Das "Spiegelei" und das "Stück Speck" oder das "Schöne" und das "Biest", es sind meist gegensätzliche Darstellungen, die eine Geschichte beleben. Ähnlich sind öfters unsere Gedanken, mit Gegenteilen wie - schlecht und gut, groß und klein usw., füllen sie unsere Leben. Viele Gedanken beschäftigen sich mit diesen Kontrasten und bevorzugen mehr oder weniger einen davon. Es sind auf jeden Fall Konträren, die zum Beurteilen zwingen und somit Gefühle und Emotionen verursachen. Aber jede Geschichte findet ein tolles Ende, wenn die Gegensätze verschwinden oder bestens sich versöhnen und auch jeder Gedanke beruhigt sich, wenn diese Konflikte verschmelzen oder sich bestens auflösen. Kurz gesagt: - die Wahrnehmung diese Dualität und diese zu vereinen, ist der Weg zu der Kenntnis von "wer bin ich?", - dieses erkläre ich meiner vierzehnjährigen Tochter, die darauf antwortet: "...öööh!, ...keine Ahnung."



<
MAI 2006 @ WEITER >

Home - Vorwort
Wer bin ich?
Die Lampe und das Licht
Das Schöne und das Biest
Die Evolution
Der Glaube

Die Habaneros
Herr Ego
Das Porträt
Der Nasenpopel
Kontrast und Differenz
Die Wäscheklammern


Findest du einen Rechtschreibfehler,
kannst du ihn behalten.

Das Schöne und das Biest